Ethik, Kultur und Effizienz – ein Widerspruch?

Es ist schon eine eigenartige Zeit …

Manchmal habe ich den Eindruck, als ob ich mich in einer weltweiten „Wirtschaftspanik“ befinden würde. Zugegeben: natürlich ist es schwierig, in finanziell engen Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen und keine Fehler zu machen. Immerhin sind sowohl einzelne Länder als auch viele Betriebe – unabhängig von Markt und Größe – geradezu in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Und ein Fehlen von Liquidität erhöht die Abhängigkeit gegenüber Dritter bzw. verringert den individuellen Handlungsspielraum. Unabhängig davon, ob es sich um einzelne Personen, Betriebe oder Staaten handelt – fehlende Ressourcen stören die Homöostase, das eigene innere Gleichgewicht.

Meine Antwort, wie gerade in schwierigen Zeiten der Weg hin zu einer wirtschaftlich effizienten und wertsteigernden  Zukunft beibehalten oder begangen werden kann, ist eindeutig:

Schaffen Sie eine Kultur der Kooperation und Transparenz!

Die etymologische Bedeutung des Wortes „Kultur“

Die Bedeutung des Wortes „Kultur“ geht auf das lateinische „cultura“ zurück und hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert. Es beschreibt den Zustand des Pflegens und Bebauens und meint zunächst die Pflege von Ackerbau und Viehzucht. Ein Bauer lebt in einem natürlichen Zyklus mit der Natur und muss sich Gedanken darüber machen, welches Getreide bzw. welche Frucht er welches Jahr auf welchem Ackerboden anbaut. Je nachdem wie gut ihm die „Kooperation mit der Natur“ gelungen ist, ist sein Ertrag höher oder niedriger. Und es ist eine Mär zu glauben, dass er – quasi „kostenlos“ – den Boden „betrügen“ oder „ausnutzen“ kann. Tut er es dennoch, wird er à la longue die Rechnung präsentiert bekommen …

Je länger und intensiver ich mich mit dem Kreislauf der Natur in Bezug auf meinen beruflichen Kontext als Organisationsentwickler auseinander setze, desto klarer wird für mich, dass dieses natürliche Grundgesetz unbedingte Gültigkeit auch in der Wirtschaft hat. Die Aussage der „Kultur als Kernkompetenz“ scheint mir dabei von zentraler Wichtigkeit zu sein.

Die Kultur als Kernkompetenz

Die Theorie der Kernkompetenz geht auf Prahalad / Hamel zurück und wurde in den 90er Jahren entwickelt. Eine Kernkompetenz bezeichnet demnach eine Fähigkeit bzw. Tätigkeit, die ein Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz besser ausführen kann und dadurch einen Wettbewerbsvorteil erlangt hat.

Bekannte Kernkompetenzen sind zum Beispiel die Implementierung eines weltweiten Franchisesystem von Mc Donalds, die Herstellung benutzerfreundlicher und stylischer Notebooks von Apple oder – wenn man so will aus aktuellem Anlass – das „Tiki Taka“ der spanischen Fußballnationalmannschaft.

Das Zeitalter von web 2.0 hat dazu geführt, dass „traditionelle“ Kernkompetenzen im technischen Bereich immer mehr verschwinden. Natürlich, in Zeiten von Internet ist es geradezu ein Leichtes, technologische Rückstande blitzschnell aufzuholen und vergleichbare Produkte zu niedrigeren Preisen – immerhin fallen die oft exorbitant hohen Kosten für Forschung und Entwicklung weg – anzubieten. Eine ganze Heerschar an aufstrebenden Ländern wie z. B. China, Brasilien oder Indien machen sich diesen Zustand zunutze und können durch deutlich niedrigere Personal- und Produktionskosten zu einem Bruchteil dessen anbieten, was ein vergleichbares Produkt in Europa kostet.

Ist die Theorie der Kernkompetenz also für alle Zeiten gestorben? Ich behaupte: Nein! Sie hat sich nur vom technischen in den kulturellen Bereich verschoben. Denn eine Unternehmenskultur, in der ich als Lieferant oder Kunde drauf vertrauen kann, dass Leistung, Beziehung und Respekt vorhanden sind, ist eben nicht so einfach zu kopieren und gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Und was ist Ihr „Tiki Taka“?

Für mich ein Paradebeispiel an nicht imitierbarer, effizient gelebter „Organisationskultur“ ist die hohe Fußballkunst des – bereits oben erwähnten – spanischen „Tiki Taka“. Es ist schon immer wieder schön, den Fußballern vom FC Barcelona oder der spanischen Nationalmannschaft zuzuschauen. Sie zelebrieren regelrecht auf dem Fußballfeld einen Spiel- und Lebensstil von Kreativität, Leichtigkeit und gleichzeitiger Effizienz. Und es war und ist ein jahrelanger Prozess, den ein gesamtes Fußballsystem durchschritten hat, bis die eigene Spielkultur perfektioniert wurde.

Ich bin absolut überzeugt davon, dass auch Unternehmen ihre ureigene Kultur als Kernkompetenz pflegen und entwickeln müssen. Die Zeiten reiner Unterscheidbarkeit am Markt alleine durch den Faktor „Preis“ sind spätestens seit dem massiven Einstieg der neuen global big player wie China, Brasilien, Indien oder Russland definitiv vorbei.

Eine Möglichkeit, ist die Einführung des innerbetrieblichen „Intrinsic Capital Networks*“:

Wenn Sie so wollen, dient dieser Kreislauf dazu, eine Kultur, geprägt von Kreativität, Förderung der Selbstverantwortung, Transparenz und Vertrauen bei gleichzeitiger Erhöhung der Effizienz – quasi Ihr firmeninternes „Tiki Taka“ – zu etablieren.

Das vorrangige Ziel dabei ist es, alle MitarbeiterInnen so gut und intensiv wie möglich in die gesamt mittelfristige Unternehmensentwicklung einzubinden und dadurch eine Kultur der Kreativität, der Selbstverantwortung und der emotionalen Verbindung mit dem Unternehmen zu schaffen. Selbstredend hat die Geschäftsführung eine Entscheidungs- und Vetokompetenz, die durch dieses Modell nicht verwässert sondern vielmehr transparent gestärkt wird.

Ich bin überzeugt davon, dass eine effiziente Unternehmensentwicklung nicht auf dem Grundsatz der Konkurrenz sondern vielmehr auf jenen der Kooperation aufgebaut ist. Die Natur zeigt uns, dass an Kooperation kein Weg vorbei führt.

Und wenn Sie sich denken „Das ist doch mir alles egal, ich bin egoistisch!“ – seien Sie ruhig egoistisch …

… denn der intelligente Egoist kooperiert!

* nähere Informationen zum Beratungsmodell des „Intrinsic Capital“ stelle ich Ihnen natürlich gerne per Mail oder in einem persönlichen Gespräch vor

Linz, im Juni 2012

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