„Personisationen*“ – Kultur und Kreativität als neue Kernkompetenzen

Jeder Organisationsberater schwört gerne Veränderungen herbei. Natürlich – alles, was mit Veränderung zu tun hat, ist dessen Geschäft. Demnach ist es auch en vogue geworden, permanent über das Thema Veränderung(skultur) zu berichten, respektive darauf hinzuweisen.

Dieser Artikel soll kein „alter Wein in neuen Schläuchen sein“ und schon wieder eine Veränderung herbei reden. Tatsächlich aber hat dieses Thema noch nie so gepasst wie in dieser Zeit: Wir befinden uns quasi mitten im „europäischen Frühling“ – Finanzkrisen in ganz Europa auf der einen Seite, der gesamtgesellschaftliche Wandel hin zu mehr Individualität und Mitgestaltungsmöglichkeit auf der anderen Seite – und viele intelligente Unternehmen reagieren bereits prophylaktisch auf diese Entwicklungen.

Die offensichtlich größte Herausforderung scheint allerdings die „schleichende Neustrukturierung“ der globalen Weltwirtschaft zu sein. Die sogenannten Emerging Markets (China, Indien, Russland, …) drängen immer intensiver und aggressiver in die traditionellen Märkte und haben eine latente Bedrohung für Mitteleuropa in ihrem Reisegepäck: Massiven Preisdruck und steigende Konkurrenz in fast allen Märkten.

Aber wie umgehen mit dieser neuen Situation? Einsteigen in den Preiskampf? Die Produktion (wieder) in Billigstländer verlegen? Strukturen verschlankern?

Alles legitime Möglichkeiten … Oder aber es werden „Kapitalquellen“ angezapft, die noch quasi brach liegen. Neue Kernkompetenzen braucht die Wirtschaft, und zwar genau jene, die der ursprünglichen Diktion des Begriffes entsprechen und demnach

V(aluable)

R(are)

I(mperfect imitable)

O(rganizational executable)

sind. Selbstverständlich sind die „neuen Kernkompetenzen“ im Zeitalter der globalen Wissensvernetzung nicht im technologischen Bereich – nichts ist leichter, als einen technologischen Vorsprung zu kopieren und in modifizierter Form für den eigenen Gebrauch nutzbar zu machen. Bestes Beispiel dafür ist gerade der Patentstreit zwischen Apple und Samsung.

Die sog. „neuen Kernkompetenzen“ müssen sich auf Fertigkeiten stützen, die nicht von der Konkurrenz so einfach zu kopieren sind – und das sind Kompetenzen im inner- bzw. zwischenbetrieblichen Beziehungskontext. Tatsächlich gelebte Werte wie „Vertrauen“, „inner- und zwischenbetrieblich stabile Beziehungen“, „Kreativität durch Mitgestaltung der MitarbeiterInnen“ und ähnliches machen langfristig definitiv einen Unterschied aus.

„Beachte immer, dass nichts bleibt, wie es ist und denke daran, dass die Natur immer wieder ihre Formen wechselt.“ … meinte einst schon Marc Aurel. Und aktuell scheint dieses Zitat mehr den je Bedeutung zu haben.

Personisationen*“ – also Organisationen, die den intrinsischen Wert ihrer selbst und das kreative Potential der in ihr agierenden Personen erkannt haben und fördern – stützen sich genau auf diese Philosophie und sind durch folgende Merkmale definiert:

  •  „Personisationen*“ sind gekennzeichnet durch klare innerbetriebliche „Spielregeln“, die es – trotzdem – erlauben, jedem und jeder Einzelnen den individuellen Arbeitsinhalt nach bestem Wissen und Gewissen selbständig zu gestalten.
  • „Personisationen*“ vertrauen auf ihre traditionell entwickelten Fertigkeiten und schaffen trotzdem neuen Platz für Kreativität und Mitgestaltung.
  • „Personisationen*“ leben in dauerhaften kreativen Prozessen.
  • „Personisationen*“ nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden innerbetrieblichen Energien effizient, indem sie präventiv möglichen Konflikten entgegen wirken.

Flexibilität und gesunde Beziehungsstrukturen sind die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren  in einer sich ständig ändernden Unternehmensumwelt. Oder wie es Heinz von Foerster in seinem ethischen Imperativ ausdrückt:

„Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!“

 

 

 

* Wie auch Ihr Unternehmen von einer Organisation zu einer „Personisation“ werden kann, erläutern Ihnen Thomas Olbrich und Bernhard Diwald gern in einem persönlichen Gespräch.
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