Vom Werken und Wirken der Organisation – ein Diskussionsbeitrag …

Grundsätzliche Betrachtungen von Begriffsdefinitionen haben einen wesentlichen Nachteil: Tendenziell wird man von seinem unmittelbaren Umfeld mit einem – na sagen wir mal „verwirrten“ – Blick betrachtet, hinter dem solche Gedanken stehen könnten wie z. B.: „Wieso stellst Du Dir SOLCHE Fragen? Ist dir langweilig? Das ist doch völlig klar, was damit gemeint ist!“

Mir ist diese Haltung bewusst – und trotzdem finde ich es geradezu unabdingbar, in stillen Momenten gerade sehr grundsätzlich klare Gedanken, Formulierungen oder eben auch Begriffe kritisch zu hinterfragen.

Eine dieser gängigen Begriffe, die ich in regelmäßigen Abständen hinterfragenswert finde, ist – berufsbedingt – das Wort „Organisation“. Recherchiert man die Entstehungsherkunft dieses Wortes, so landet man bei dem Substantiv „Organ“. Die unmittelbare Ableitung von Organ hat seine Wurzeln im Latein des 16. Jahrhunderts im Wort organum, was soviel bedeutet wie „Werkzeug, Instrument“. Dieses wiederum bezieht sich auf das griechische Wort órganon, was eine (Achtung: fachchinesisch!) ablautende Bildung zum griechischen érgon ist. Érgon in seiner Ursprungsbedeutung steht für „Werk, Wirken“ und ist quasi Hebamme für das uns wohl bekannte Wort „Energie“.

Man könnte also folgendes festhalten:

 

Organisationen sind energetische „Verwerkzeuglichungen“
zur Erfüllung bestimmter Aufgaben!

Diese „Verwerkzeuglichung“ hat in der historischen Betrachtung zu einem wesentlichen Teil mit dem Gedankengut der Aufklärung eingesetzt, die davon ausgeht, dass die menschliche Vernunft als Triebfeder des eigenen Schaffens gesehen (und nicht z. B. der Glaube) und die Erforschung bzw. Ergründung kausaler Zusammenhänge als höchstes Gut betrachtet wird.

Klare Analysen, ein gutes theoretisches Verständnis und der Wunsch nach einer möglichst exakt eintreffenden Prognosefähigkeit waren und sind in der Welt der Wirtschaft nach wie vor wichtige Elemente, um ein Unternehmen nachhaltig – und vor allem gewinnbringend – führen zu können.

Allerdings entsteht der Eindruck, dass sich – bedingt durch die immer schneller werdende Informationsdynamik, die durch die Vernetzung im Internet passiert – eine neue Qualität der Herausforderungen entwickelt, mit denen sich Unternehmen auseinander setzen müssen. Märkte werden tendenziell „vollkommener“, was bedeutet, dass eine Vielzahl an Unternehmen im gleichen Markt mit ähnlichen Produkten handeln und dadurch leichter austauschbar sind. Gerade der massive Einstieg von Unternehmen aus den sog. Emerging Markets (also Unternehmen aus Ländern wie z. B. China, Indien, Indonesien oder Brasilien) in den letzten 15 Jahren hat die „klassische Wirtschaftsordnung der letzten 200 Jahre“ ordentlich durchgemischt.

Durch dieses „Mehr an Konkurrenz bei gleichbleibender Größe des Kuchens“ steigt generell die Notwendigkeit, innovativ zu sein – schlicht deswegen, um langfristig am Markt bestehen zu können.

Die Auswirkungen für Unternehmen sind entsprechend vorhersehbar: Wenn eine Organisation auf Druck von außen gezwungen wird, innovativer zu sein als in den vergangenen Tagen, muss das schlichtweg auch Konsequenzen auf allen Ebenen haben. Es wird gar nicht anders gehen können, als dass sich Organisationen weg von klaren, vorhersagbaren Strukturen hin zu unklaren, kreativ-gestalterischen Einheiten bewegen. Demnach ist es auch sehr wahrscheinlich, dass ein Paradigmenwechsel des aktuellen Führungsdenkens in Unternehmen, welches mit Werten wie „Hierarchie“, „Macht“, „Funktionalität“ und „Kontrolle“ hin zu einem Gestaltungsprozess, welches mit Werten wie „Förderung der Selbstverantwortung“, „Mitgestaltung der Mitarbeiter“, „Vielfalt der Aufgabenstellung“ und „Beziehungsnetzwerk“ bevor steht.

Manager werden demnach zukünftig gefordert sein, neben ihrem analytischen Verständnis auch ihr emotionales Einfühlungsvermögen und ihre kreativ-spielerische Kompetenz zu fördern und auszubauen.

Und möglicherweise spricht man in Zukunft nicht mehr von Organisationen – also kasuistische Systeme, die von  einer Haltung kausaler Zusammenhänge geprägt sind – sondern von Personisationen: einem lebendig gewordenen „Wirtschafts-Organismus“, der im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ein sensibel ausbalanciertes Gleichgewicht zwischen Förderung der Eigenverantwortung und Mitgestaltung auf der einen Seite und der effizienten Marktorientierung auf der anderen Seite darstellt.

Oder wie es mein Vater, ein inzwischen pensionierter Bio-Pionier vor 20 Jahren schon sehr treffend formuliert hat:

„Wenn du am Feld eine gute Ernte einfahren willst, brauchst du nicht glauben, dass es egal ist, wie es dem Boden geht. Allen muss es gut gehen – sogar den Regenwurm darfst du nicht vergessen!“

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